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In diesem Vorhaben soll die Markteinführung von Bauprodukten und Systemen, die Latentwärmespeichermaterialien (engl. PCM: Phase Change Materials) beinhalten, unterstützt und angeschoben werden. PCM-Systeme können zur passiven Raumkühlung sowie zur Reduktion von Temperatur- und Kühllastspitzen eingesetzt werden.
Die Systeme werden in Demonstrationsgebäude eingebaut und unter praxisnahen Bedingungen vermessen. Neben der Produktentwicklung liegt der Fokus des Forschungsvorhabens primär auf dem Demonstrationscharakter. Ziel ist die Unterstützung der Markteinführung der PCM-Systeme durch Errichtung entsprechend ausgestatteter Referenzgebäude. Diese werden der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und in den Medien werbewirksam präsentiert (Internet, Fachzeitschriften, Tagungen, etc.).
Hörsäle Bürogebäude
Die messtechnische Erfassung der Systemeigenschaften erlaubt die Validierung von Simulationstools und die Erstellung fundierter Auslegungsrichtlinien. Die Rückkopplung der Gebäudenutzer gibt unmittelbare Hinweise zur Akzeptanz der Produkte. Dies zeigt Herstellern und Planern wertvolle Optimierungsmöglichkeiten auf. Eine Auswertung der Messdaten hinsichtlich Energieeinsparung erlaubt den Energieversorgern die Integration der PCM-Systeme in ihre Energieberatertätigkeit. Anhand der gemessenen Lastverschiebung führen Energieversorger eine energiewirtschaftliche Analyse durch, um die Auswirkungen eines breiten Einsatzes von PCM-Systemen auf die Kraftwerks- und Netzkapazitäten zu beurteilen.

PCM-Systeme

Hinterlüftete Kühldecke mit PCM
PCM-Folienbeutel mit Salzhydraten werden bereits in passiven Kühldeckensystemen aus Metall eingesetzt (Metallkassettendecke). Solche Systeme sind einfach zu installieren (s. Bild) und erbringen rein passiv Kühlleistungen von 25 bis 40 W/m2.

Bestückung einer Metallkassettendecke mit PCM-Folienbeuteln.
Aufgrund der geringeren Wärmeleitfähigkeit von z.B. Gipskartonplatten nimmt die Kühlleistung eines solchen Systems bei abgehängter Konstruktion in Nichtmetallbauweise deutlich ab. Eine aktive Hinterlüftung wird hier zwingend notwendig. Die nächtliche Regeneration des Systems erfolgt mit kühler Außenluft.

Berechneter Temperaturverlauf eines Büroraumes mit hinterlüfteter Deckenkonstruktion mit PCM. Zum Vergleich sind die Temperaturen ohne PCM mit eingezeichnet. Die Spitzentemperaturen können durch das PCM um rund 2K reduziert werden.

In zwei Büroräumen der EnBW in Karlsruhe sowie einem Besprechungsraum der Universität Würzburg wurden solche hinterlüfteten Kühldecken mit PCM eingebaut. Die Einbringung der Kühlleistung erfolgt tagsüber im Umluftbetrieb, die Regeneration des PCM nachts durch Ansaugen kühler Außenluft.

Einbringung der PCM-Platten in die abgehängte Deckenkonstruktion (links) und erforderliche Lüftungstechnik zur Hinterlüftung (rechts).
Wasserdurchströmte Kühldecke mit PCM

Wasserdurchströmte Kühldecken in abgehängter Bauweise erreichen hohe Kühlleistungen (rund 100 W/m2) bei kurzen Ansprechzeiten, erfordern dadurch jedoch oft hohe Spitzenlasten bei der Kältebereitstellung. Durch die Integration von PCM lässt sich tagsüber zu Zeiten der Kühllastspitzen eine rein passive Grundkühlleistung von rund 40 W/m2 sicherstellen. Während der Nacht wird das PCM dann durch kühles Wasser regeneriert. Auf diese Weise lassen sich tagsüber Lastspitzen vermeiden und die Kühllast wird vergleichmäßigt. Vor allem bei der Kältebereitstellung über Geothermie (Erdsonden) ergeben sich hier Vorteile, da die Erdsonden auf die Spitzenlasten ausgelegt werden müssen. Kombiniert man das PCM-System mit konventioneller Technik (PCM-Module nur in Teilbelegung) behält man auch weiterhin die Vorteile der kurzen Ansprechzeiten und muss nur noch die Spitzenlasten, die über die Grundlast hinausgehen, abfangen.

In einem Hörsaal der Hochschule für Technik Stuttgart sowie zwei Büroräumen des Rathauses Kassel werden wasserdurchströmte Kühldecken mit PCM eingebaut. Die Kühlleistung wird tagsüber rein passiv in die Räume eingebracht, zur Regeneration des PCM werden die Kühldecken nachts mit kaltem Wasser durchströmt.

Kühldecke mit PCM im Hörsaal in Stuttgart. Die Kühldeckenelemente wurden abhängbar ausgeführt, um auch nach der Installation noch eine gute Zugangsmöglichkeit zum PCM zu gewähren.
Sonnenschutz mit PCM
Innenliegende Sonnenschutzsysteme werden großflächig eingesetzt (keine Windlasten, kostengünstig), weisen jedoch im Vergleich zu außenliegenden Systemen einen höheren Energieeintrag (g-Wert) auf. Zusätzlich erwärmen sich innenliegende Systeme bei Sonneneinstrahlung stark, so dass sich Raumnutzer in Fensternähe zusätzlich durch die Wärmeabstrahlung der Lamellen thermisch unbehaglich fühlen. Abhilfe schafft hier ein innenliegender Sonnenschutz mit PCM. Vorteile sind geringere Jalousietemperaturen und ein reduzierter Wärmeeintrag in den Raum. Die PCM-Menge ist so ausgelegt, dass man einen sonnigen Sommertag auf der Südfassade komplett abpuffern kann. Die Regeneration des PCM erfolgt über Nacht durch kühle Außenluft.

Berechnete Häufigkeit der operativen Raumtemperatur eines großflächig verglasten Büroraumes mit Wärmeschutzverglasung (WSV) und Sonnenschutz mit und ohne PCM. Der PCM-Sonnenschutz reduziert die Zeiten hoher Raumtemperaturen deutlich.

Ein Sonnenschutz mit PCM wurde in vier Büroräumen (2 im Rathaus Kassel sowie 2 weitere im EnBW-Gebäude in Karlsruhe) installiert. Der Sonnenschutz ist als Vertikalbehang ausgeführt, in den Lamellen befindet sich eine PCM-Schicht von rund 1 cm Dicke. Die Wirkungsweise ist rein passiv: tagsüber werden die PCM-Lamellen wie ein konventioneller Behang von den Raumnutzern bedient und speichern überschüssige solare Einstrahlung, nachts ermöglichen gekippte Fenster bzw. Außenluftklappen die Regeneration des PCM.

PCM-Sonnenschutz in einem Büroraum in Karlsruhe